
Zwei Menschen, dieselbe schwierige Situation, der eine bleibt ruhig, die andere gerät in Panik. Woran liegt das? Die Stressforschung antwortet klar: Wie wir eine Situation bewerten, entscheidet über den Stress, den sie auslöst. Genau da lässt sich ansetzen.
Stress entsteht in der Bewertung
Der Psychologe Richard Lazarus beschrieb Stress als Missverhältnis: Wir empfinden ihn, wenn die Anforderung einer Situation größer wirkt als unsere Fähigkeit, ihr zu begegnen. Der entscheidende Punkt: Es ist eine Einschätzung. Dieselbe neue Aufgabe wird für den einen zum Vertrauensbeweis, für die andere zur Bedrohung. Was Sie über eine Situation denken, entscheidet mit, wie sehr sie Sie belastet.
Das ist keine Schönrederei. Zwischen Auslöser und Reaktion liegt ein Spielraum, und dieser Spielraum gehört Ihnen.
Die zwei Grundwege
1. Das Problem angehen. Sie richten sich auf die Ursache: Informationen sammeln, einen Plan machen, das klärende Gespräch suchen. Das wirkt, wenn Sie die Situation beeinflussen können.
2. Das Gefühl regulieren. Sie kümmern sich um den inneren Zustand: Bewegung, eine Pause, Abstand, mit jemandem reden, die Dinge ins Verhältnis setzen. Das wirkt, wenn Sie die Situation gerade nicht ändern können.
Die einfache Regel
Fragen Sie zuerst: Kann ich daran etwas ändern?
Ja → das Problem anpacken. Nein → das Gefühl regulieren. Den meisten Stress macht, wer Unveränderliches bekämpft oder Veränderliches aussitzt.
Gewohnheiten, die Stress machen
- Aufschieben , verschafft kurz Ruhe, kostet später doppelt. Wenn Sie handeln können: anfangen, zwei Minuten reichen oft.
- Perfektionismus , „gut genug, fertig gemacht“ bringt Sie weiter als „perfekt geplant“.
- Alles kontrollieren wollen , manches liegt außerhalb Ihrer Macht. Dort hilft, das eigene Erleben zu regulieren.
- Nicht Nein sagen können , wer sich überlädt, zahlt mit Erschöpfung. Ein freundliches Nein ist Selbstschutz.
- Sich abschotten , Belastung allein zu tragen macht sie größer. Aussprechen entlastet messbar.
- Pausenlos arbeiten , echte Erholung ist Voraussetzung, keine Belohnung danach.
Nicht aller Stress ist schlecht
In der richtigen Dosis macht Stress wach und leistungsfähig, das kurze Adrenalin vor einer Prüfung. Körperzeichen wie Dauerverspannung, Reizbarkeit oder schlechter Schlaf sind Frühwarnsignale: Zeit gegenzusteuern, bevor aus Druck Erschöpfung wird. Beim Stress geht es ums Maß und um den Umgang.
So fangen Sie an
Nehmen Sie sich diese Woche eine konkrete Belastung vor und stellen Sie die eine Frage: Kann ich daran etwas ändern? Dann wählen Sie bewusst den passenden Weg. Für die Gefühls-Seite finden Sie Anleitungen in den Übungen zu Ruhe & Stress.
Allgemeine Impulse zur Selbsthilfe, kein Ersatz für Therapie oder ärztliche Behandlung. Bei anhaltendem Leidensdruck wenden Sie sich an Ihre Hausärztin oder eine psychotherapeutische Praxis. Telefonseelsorge rund um die Uhr: 0800 111 0 111.
